Samstag, 21. März 2015

Nähen kann jeder (lernen) - 10 Fragen am Beginn

Wenn's um Nähen geht, höre ich total oft: "Das kann ich nicht! Dafür hab ich keine Geduld! Dafür bin ich viel zu ungeschickt!" und ich muss sagen: Das ist wirklich Blödsinn. Meine beste Freundin meinte mal: "Ich würd' das auch gern können, aber ich kann nicht mal gerade mit der Schere schneiden." Ich kann das auch nicht. Langsam lerne ich es, aber zu Beginn waren meine freien Schnitte richtig windschief.

Ich muss dazu sagen, dass ich schon immer nähen können wollte. Schon als Kind habe ich meinen Barbies aus Stoffresten Kleidung gebastelt. Als Jugendliche habe ich meine Hosen ab- und zerschnitten, irgendwas auf meine Shirts gemalt und so weiter. Ich wollte immer etwas eigenes designen und nähen, habe es mir aber nie zugetraut. Bis ich auf Facebook mitbekommen habe, dass es sich auch eine Freundin von mir selbst beigebracht hat. Ab dem Moment war ich infiziert.

Wer es nicht lernen will, der wird natürlich auch nicht wirklichen Erfolg haben, aber wer es wirklich will, schafft es sicherlich. Aus diesem Grunde wollte ich euch ein paar Fragen beantworten, die man stellen sollte. Ich erhebe aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich erzähle nur ein bisschen was ich zu Beginn gemacht habe.

1. Warum will ich nähen?
  • Weil es billiger ist als gekaufte Kleidung? - VERGISS ES. Nähen ist bedeutend teurer als fertige Kleidung kaufen. Massenware, die von billigen Arbeitskräften gefertigt wird, ist einfach billiger als selbstgemachte Unikate. Es gibt recht billige Stoffe, aber die mit den besonderen Mustern kosten schonmal 20 Euro/Meter und mit einem Meter geht sich gerade so ein T-Shirt mit kurzen Ärmeln für mich aus. Garn, Strom und die Nähmaschine müssen natürlich auch beachtet werden. Selbstnähen ist nur billiger als Selbstgenähtes kaufen! Erwachsenenloops werden um 25 Euro verkauft und die Materialkosten sind je nach Stoffe zwischen 5 und 15 Euro. 
  • Du willst etwas haben, das nur du hast?  - Gut, in der heutigen Zeit aber auch schon bisschen schwierig, weil die Stoffe und Schnitte auf Facebook, auf Blogs etc. recht häufig vorkommen. Wer wirklich ein Unikat haben will, der sollte es auf keinen Fall auf Facebook oder sonst wo zeigen! Niemals! Ich selbst habe schon Stoffkombinationen oder Stoff und Schnitt Kombinationen ähnlich nachgemacht und ich weiß auch, dass manches von mir nachgemacht wurde. Ich freue mich total drüber. Schließlich ist der Sinn eines Blogs ja, dass man anderen eine Inspiration ist.
  • Du willst deine Kreativität ausleben? - Sehr gut, dann bist du hier richtig!
2.Woher bekomme ich Motivation und Ideen? 

Tritt einer Facebookgruppe bei und/oder schau dir ein paar Fotos auf Blogs/auf Pinterest an.
Zum einen wirst du wahnsinnig begeistert sein, was andere können. Das motiviert total! Man kann dann auch mal nachfragen wie lange die Nähenden schon nähen oder oft sagen sie es selbst. Da sind nach ein paar Wochen schon sehr tolle Dinge dabei!
Zum anderen kannst du dort auch Fragen stellen und bekommst im Normalfall relativ schnell eine Antwort! Ich kann euch die Gruppe Nähen für Dummies und Fortgeschrittene empfehlen. Ich selbst bin der Gruppe beigetreten bevor ich eine Nähmaschine hatte und habe eigentlich immer Hilfe bekommen. Mittlerweile bin ich dort Admin und manchmal bisschen streng. Aber bei über 20.000 Mitglieder muss man einfach drauf achten, dass die Regeln eingehalten werden, sonst ist Chaos pur :D

3. Und wie geht das jetzt?

Auf Youtube gibt es uuuuuunzählige Tutorials für alles. Das ist wie beim Schminken. Einfädeln, Starten, Putzen, Vernähen, Wendeöffnung schließen. Es gibt alles auf Youtube als Tutorial und/oder auf Blogs als Freebooks. Ich habe mir vor allen Maschinen immer zuerst das Produktvideo auf Youtube angesehen, man bekommt schon einen gewissen Eindruck, wie die Maschine funktioniert. Prinzipiell funktionieren die Maschinen aber recht ähnlich, daher kann man sich auch ein Video einer anderen anschauen!


Wenn du hier jetzt schon denkst: "Oida naaa", schau dir das Video ein paar Mal an. Es ergibt irgendwann Sinn! :D

Einen Nähkurs habe ich nie gemacht. Mir war das ehrlich gesagt zu teuer.

4. Soll ich das vorher bei Freunden probieren?

Ich habe mit 12 in der Schule schon eine Tasche genäht, deswegen wusste ich wie man beginnt, wie man aufhört und so einfache Dinge. Ich muss sagen, dass ich es  - trotz vielen Möglichkeiten - nicht zuerst wo anders probiert habe, weil ich wusste, dass es mir Spaß macht. Ich hatte es einfach im Gefühl. Wer noch nie genäht hat und jemanden in der Bekanntschaft hat, der näht, sollte die Chance auf jeden Fall ergreifen und mal versuchen.

Meine ersten Versuche habe ich übrigens mit jedem, dem ich es gezeigt habe auch gemacht: Ohne Faden auf einem karierten Blatt Papier "nähen". Man soll zuerst versuchen die Linien zu treffen und die Abstände gleich zu halten. Danach das Papier umdrehen (oder ein neues nehmen) und auf der glatten Seite "nähen". Dann umdrehen und überprüfen ob es halbwegs gerade war!

5. Du willst immer noch Nähen lernen? Super! Da stellt sich die Frage: Welche Maschine nehm ich jetzt?

Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Ich mag die Maschinen von W6-Wertarbeit sehr gerne. Meiner Meinung nach bekommt man gute Ware und bezahlt weniger, weil man nicht den "Namen" mitbezahlt. Andere mögen die Maschinen aber gar nicht. Ich hab als Anfängerin die 1235/61 genommen und war seeehr zufrieden mit ihr. Später hab ich mir dann die 3300excl. gekauft, weil ich eine computergesteuerte haben wollte, aber das war wirklich nur, weil ich mehr wollte. Nicht weil die Maschine schlecht war :) Auf Willhaben oder Kleinanzeigen oder so gibt es immer wieder robuste Maschinen aus den 70ern um wenig Geld, da kann man natürlich auch zuschlagen. Wer sich schon ganz sicher ist, dass das DAS neue Hobby wird, kann natürlich auch gleich zu einer computergesteuerten Maschine greifen. Die sind etwas teurer, dafür viel leiser und haben auch mehr verschiedene Stiche, Einstellungen usw!

Achja, zu Beginn brauchst du eine normale Maschine, KEINE Overlock! Eine Overlockmaschine ist immer nur ein Zusatz! Es gibt auf vielen normalen Nähmaschinen auch einen Overlockstich. Der reicht vorerst auch. 

Solche hier sehen übrigens schön aus, funktionieren aber ohne Fußantrieb nicht! Der Fußantrieb ist auch recht schwierig, würde euch auf jeden Fall eine elektrische empfehlen.

6. Was brauch ich noch?

Stoff, Garn, Schere, Stift, Stecknadeln und einen Nahtauftrenner. Das sind die 6 wichtigsten Dinge! Zusätzlich könnte man dann, je nach Nähprojekt, auch noch Reißverschluss, Knöpfe, etc. brauchen. 
  • Stoff: Ich würde den Anfängern empfehlen mit Webware (oft fälschlicherweise auch Baumwolle genannt) zu beginnen. Die dehnt sich nicht und ist zu Beginn einfacher zu Vernähen als andere Dinge. Daraus kann man z.B Taschen, Loops, Leseknochen, etc. nähen.
  • Garn: Ich bekenne mich schuldig. Ich nutze das Garn von Hofer (Aldi) Ich lese sehr oft, dass das qualitativ nicht gut ist, jedoch komme ich sehr gut damit zurecht. Zusätzlich nutze ich das Overlockgarn von W6 (ich glaube, das ist Troja). Ich benutze jedoch auch das sehr gute Gütermann - Garn. Das ist aber wirklich teuer in Österreich, deswegen kaufe ich es immer in Tschechien. Gleiches Garn, aber viel billiger.
  • Schere: Ich benutze die von Ikea. Auch hier sind manche voll begeistert, manche mögen sie gar nicht. Vorsichtig: NIE mit der Stoffschere Papier schneiden. NIE! Die schneidet dir nie wieder Stoff so gut wie vorher!
  • Stift: Zum Schnittmuster - Abzeichnen benutze ich den Frixion Pilot Stift. Der geht bei Hitze ganz einfach wieder weg und kommt erst bei - 20 Grad wieder. Man kann die Striche also einfach wegbügeln oder wegföhnen. 
  • Stecknadeln: Hier solltest du meiner Meinung nach wirklich auf Qualität achten. Ich hatte früher ganz billige und habe dann welche von Prym in unserem Haus gefunden. Die von Prym sind 50 Jahre alt und trotzdem besser als die anderen. Mir ist erst nachher aufgefallen, dass die billigen eine total unebene Oberfläche haben und das Abstecken bei den "guten" viel schneller geht. Manche benutzen auch Klammern zum Abstecken.
  • Den Nahtauftrenner brauchst du. Das soll gar nicht gemein  von mir sein, ich brauche ihn auch immer wieder! Ich habe einen, der bei meiner Nähmaschine dabei war. 
Viele schwören auch auf eine Schneidematte und einen Rollschneider. Ich habe mir letzte Woche beides gekauft, aber das ist noch unterwegs. Schauen wir mal, ob wir das unbedingt brauchen!

7. Und was näh ich jetzt?
Ich sag einfach mal, was ich als erstes genäht habe: Einen Loop. Eine Seite Baumwolle und eine Seite Fleece. Das ist wirklich ganz einfach. Danach folgten viele weitere Loops, dann Leseknochen, dann ein etwas kompliziertes Täschchen Susie, dann.....
Wenn du Probleme hast, kann dir sicher jemand helfen in einer Facebookgruppe.
  

8. Wo bekomm ich Stoff?

Wenn du ein Stoffgeschäft in der Nähe hast, dann geh mal dort hin. Es ist möglicherweise etwas teurer, aber du nimmst ja nicht gleich 10m von einem Stoff. Nimm vorerst nur so viel wie du für dein Projekt brauchst. Die Verkäuferinnen beraten dich hoffentlich  auch. Zu den Läden in Wien ist ein Post schon fast fertig. 
Ansonsten gibt es auch viele gute Shops im Internet, meine liebsten sind: Alles für Selbermacher und StoffundLiebe. Aber auch auf Dawanda gibt es soooooo viel. Ich kaufe auch gerne "Second Hand" in verschiedenen Facebook-Verkaufsgruppen! Sehr gerne im Stoffbazar Österreich.

9. Und welcher Stoff ist jetzt was?

  • In den Gruppen wird immer von Baumwolle gesprochen, damit ist Webware gemeint. Die ist wie gesagt gewebt und dehnt sich nicht! Ist somit also nur für Deko, Taschen, etc. geeignet oder für Kleidung, die einen Reißverschluss, eine Knopfleiste etc. hat. In ein normales T-Shirt aus Webware würde man nicht reinkommen, weil es sich eben nicht dehnt.
  • Jersey ist hingegen gestrickt. Er kann auch aus 100% Baumwolle sein, es gibt aber auch alle möglichen Mischformen. Ich kaufe ausschließlich Jersey aus 100% Baumwolle, weil sich der nicht an den Speckrollen anlegt.
  • Sweat ist eben dieser "Sweatshirtstoff" und ist etwas dicker und weniger elastisch als Jersey.
  • Fleece ist kuscheliger als Sweat und meistens aus Polyester, es gibt aber auch Baumwollfleece
  • Bündchen sind die Dinger, die statt einem Gummizug verwendet werden.
Dann gibt's noch 10000000 andere.
Hier gibt's eine genaue Auflistung. 

10. Muss ich die Stoffe vorwaschen? 

JA JA JA JA JA. 1000 mal JA! Besonders billigere Stoffe gehen extrem ein! Auch Sweat wird oft kleiner. Wenn es ein Produkt ist, das später nie gewaschen wird, ist es nicht zwingend notwendig, aber auch den Stoff für Taschen, Leseknochen und Co. würde ich auf jeden Fall vorwaschen. Stell dir vor, du nähst etwas und nach einmal waschen ist es viel kleiner und/oder verzogen! Das wäre doch furchtbar!

Ich hoffe, meine persönlichen Erfahrungen mit dem Start in's Nähen konnten dir etwas helfen! 

Also ehrlich: Nähen ist keine Hexerei! Wenn ich das gelernt hab, kann das wirklich jeder lernen, der genug Zeit, Lust und Motivation dafür hat! Also nie wieder "Würde gerne, habe aber zwei linke Hände!"

PS: Du kannst mir auch gerne auf Facebook, per Mail oder hier schreiben, wenn du ein Problem hast und glaubst, dass ich dir damit helfen kann :D

1 Kommentar :

  1. super Artikel :). Hab ich mir direkt mal abgespeichert!

    Liebe Grüße
    Priscilla

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Ich freue mich sehr über eure Kommentare! :)
Aufgrund eines akuten Spam-Problems, muss ich sie aber vorher händisch freischalten. Kann also etwas dauern, bis sie online sind :)